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Warmwasser als Speicher: Steigern Sie Ihren Solarstrom-Eigenverbrauch um bis zu 80 % – ganz ohne große Investitionen
Da der Rücklaufzähler in Belgien nach und nach verschwindet, wird der Eigenverbrauch von Solarstrom zum neuen Schlagwort für Besitzer von Photovoltaikanlagen. Eine Heim-Batterie mag der nächste Schritt sein, aber was, wenn diese voll ist oder die Investition zu hoch erscheint? Die Lösung liegt vielleicht nicht unbedingt in Ihrem Sicherungskasten, sondern in Ihrem Warmwasserbereiter. Indem Sie den überschüssigen Solarstrom aus Ihren Photovoltaikmodulen in Warmwasser umwandeln, können Sie Ihren Eigenverbrauch um bis zu 80 % steigern und Ihren Heizkessel für mehrere Monate außer Betrieb nehmen. Wir haben mit Émilien Feron von Soliseco und Roel Defrancq von my-PV gesprochen.
Eigenverbrauch von Solarstrom: Haben Sie die Obergrenze erreicht?
Den neuesten Zahlen zufolge hat die Gesamtleistung der Photovoltaikanlagen in Wallonien fast 3 Gigawattpeak erreicht. Dies entspricht einer enormen Menge an Solarstrom, der von Photovoltaikmodulen erzeugt wird und für den Eigenverbrauch zur Verfügung steht. Allerdings stoßen immer mehr Haushalte an die Grenzen ihres Strom-Eigenverbrauchs. Man kann zwar tagsüber die Waschmaschine oder den Geschirrspüler laufen lassen, doch dieser Verbrauch bleibt relativ begrenzt. In einem Haushalt liegen die wirklich erheblichen Energiebedarfe in der Warmwasserbereitung und der Heizung mit Gas oder Öl.
Solarüberschuss nutzen: Strom in Warmwasser umwandeln
Genau darauf konzentrieren sich Soliseco und my-PV. Die beiden Unternehmen bieten kostengünstige Lösungen an, um den Eigenverbrauch von Solarstrom in Haushalten mit Photovoltaikanlagen zu steigern. Das Prinzip ist einfach: Der überschüssige Solarstrom wird zur Warmwasserbereitung genutzt.
Émilien Feron von Soliseco erklärt: „Anstatt Ihre Solarenergie zu einem Bruchteil ihres Wertes ins Netz einzuspeisen, nutzen Sie sie, um Wasser in Ihrem Boiler zu erwärmen. Auf diese Weise ersetzen Sie teure fossile Brennstoffe durch Ihren eigenen kostenlosen Solarstrom. Sie sind sofort weniger abhängig von geopolitischen Entwicklungen und Schwankungen der Energiepreise.“
Wie funktioniert eine thermische Batterie?
Die Technologie ist überraschend einfach: Ein intelligenter Regler misst über den intelligenten Stromzähler die Menge an überschüssigem Strom, die von Ihren Solarmodulen erzeugt wird. Diese überschüssige Solarenergie wird dann an ein elektrisches Heizelement in Ihrem Warmwasserspeicher weitergeleitet. „Eine 10- bis 15-kWh-Heim-Batterie kann leicht mehrere tausend Euro kosten“, erklärt Roel Defrancq von my-PV. „Ein Warmwasserspeicher fungiert eigentlich als thermische Batterie, die Sie wahrscheinlich bereits in Ihrem Haus haben. Egal, ob Sie mit Öl, Gas, Pellets oder einer Wärmepumpe heizen – diese Lösung funktioniert in fast jedem Fall. Für diejenigen, die bereits eine Hausbatterie besitzen, ist sie zudem eine ideale Ergänzung. Die Batterie ist oft schon gegen 11 Uhr morgens voll aufgeladen. Den Rest des Tages können Sie Solarenergie in Ihrem Warmwasserspeicher speichern.“
Auswirkungen auf die Energiekosten: bis zu 80 % Eigenverbrauch
Experten zufolge können die Auswirkungen auf den Eigenverbrauch von Solarstrom erheblich sein. Ohne intelligentes Energiemanagement liegt der Eigenverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts bei etwa 30 %. Mit einer Hausbatterie kann er 50 bis 55 % erreichen. Bei der thermischen Speicherung, bei der Warmwasser als Speicher genutzt wird, kann der Eigenverbrauch auf 70 % oder sogar 80 % steigen – mit oder ohne Hausbatterie. Feron: „Wir sehen sogar Kunden, die im Februar und März einen Eigenverbrauch von 85 % bis 90 % erreichen. Die gesamte von ihren Solarmodulen erzeugte Energie wird direkt im Haushalt zur Warmwasserbereitung genutzt.“ Auf diese Weise erhält die Investition in Solarmodule eine ganz neue Dimension.
Acht Monate im Jahr ohne Gas oder Öl
Das ganze Jahr über können viele Haushalte etwa acht Monate lang auf Gas oder Öl zur Warmwasserbereitung verzichten. „Das entspricht einer Reduzierung Ihres Verbrauchs um etwa 50 %“, sagt Feron. In den übrigen Monaten kann das System im Hybridmodus betrieben werden. „Bei ausreichender Sonneneinstrahlung erwärmt die Box das Wasser beispielsweise auf 65 °C. Sinkt die Temperatur unter 45 °C, übernimmt der vorhandene Boiler automatisch. So behalten Sie den gewohnten Komfort bei minimalem Verbrauch fossiler Brennstoffe.“
Installation und Kosten: eine schnelle Amortisation
Einer der größten Vorteile dieser Lösung für den Eigenverbrauch von Solarstrom ist die niedrige Einstiegsschwelle. In der Regel sind keine größeren Bauarbeiten erforderlich, und die Installation bleibt relativ kostengünstig. Defrancq: „Wenn Sie bereits über einen Heizkessel verfügen, müssen Sie mit Kosten von etwa 1.500 Euro rechnen, inklusive Installation. Wenn Sie dadurch Ihren Verbrauch an Öl, Pellets oder Gas für ein halbes Jahr einsparen können, hat sich Ihre Investition in weniger als zwei Jahren amortisiert.“
Feron: „Für uns kostet die Komplettlösung einschließlich Installation je nach Komplexität etwa 1.000 bis 3.000 Euro. Im Vergleich zu einer Batteriespeicheranlage ist die thermische Speicherung pro kWh installierter Speicherkapazität zwei- bis fünfmal günstiger.“
Tipp der Livios-Redaktion: „Eine Hausbatterie kostet schnell zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Ein intelligentes Steuerungssystem für Ihren elektrischen Warmwasserbereiter ist oft schon ab 1.000 Euro erhältlich. Für eine durchschnittliche Familie mit Solaranlage ist die Amortisationszeit dieser „Wasserbatterie“ daher deutlich kürzer als die einer herkömmlichen Batterie.“
Kompatibel mit allen Heizkesseln
Das System funktioniert mit fast allen bestehenden Anlagen: alten Ölkesseln, Gas-Brennwertkesseln oder modernen Wärmepumpen. Defrancq: „my-PV-Lösungen lassen sich in fast jede Anlage integrieren, mit oder ohne Hausbatterie und mit oder ohne Smart Meter. Sie sind zudem mit Energiemanagementsystemen und der Hausautomation kompatibel. Darüber hinaus können unsere Produkte mit dynamischen Tarifen betrieben werden, wodurch fossile Heizungen auch ohne Photovoltaikanlagen nachhaltiger gestaltet werden können.“
Wärmepumpe und Elektroheizung: eine clevere Kombination
Selbst in einem Haus, das mit einer Wärmepumpe ausgestattet ist, kann ein elektrischer Widerstand nützlich sein, um den Solarstromüberschuss zu nutzen. „Eine Wärmepumpe ist sehr effizient, aber der Kompressor mag es nicht, wenn er bei jeder vorbeiziehenden Wolke ständig ein- und ausgeschaltet werden muss“, erklärt Defrancq. „Ein elektrischer Widerstand kann diese kleinen Schwankungen in der Solarstromproduktion problemlos auffangen.“
Intelligente Prioritäten: Elektroauto, Akku oder Warmwasser
Wenn Sie über eine Ladestation oder eine Heim-Batterie verfügen, können die verschiedenen Systeme zusammenarbeiten. Die Steuerungen sind „intelligent“ und greifen in der Regel als Letzte ein. „Die Soliseco-Box analysiert kontinuierlich den Solarstromüberschuss am intelligenten Stromzähler“, erklärt Feron.
„Du kommst nach Hause und schließt das Elektroauto an? Der Überschuss verschwindet und die Warmwasserbereitung wird sofort unterbrochen. Das Auto oder die Batterie haben Vorrang. Für das Warmwasser wird einfach die verbleibende Solarenergie genutzt.“
Fazit: Für wen ist das interessant?
Wärmespeicher für den Eigenverbrauch von Solarenergie sind besonders interessant für:
- Haushalte, die über einen intelligenten Stromzähler verfügen und die Einspeisung ins Netz reduzieren möchten.
- Haushalte, die mit Gas, Öl oder Pellets heizen und im Sommer auf den Einsatz ihres Heizkessels verzichten möchten.
- Besitzer großer Photovoltaikanlagen, die regelmäßig einen Solarstromüberschuss haben.
„Das ist ein kostengünstiger Zwischenschritt auf dem Weg zur Energiewende“, fasst Defrancq zusammen. „Nicht jeder kann sofort 20.000 Euro in eine Komplettsanierung mit Wärmepumpe investieren. Aber schon für etwa 1.500 Euro lässt sich der Verbrauch fossiler Brennstoffe deutlich senken.“